Wer kennt das nicht? Die schier geheuchelte Höflichkeit und gelogenen Danksagungen wenn Frau ihrem Heinrich mal wieder eine der neuen Herrenuhren als zweifelhaftes Geschenk macht.
Nicht selten liegt an Weihnachten ein paar Socken für besagten Mustermann Heinrich unterm Baum, oder auch schon mal Hemden oder schlimmer noch, Entspannungskasetten und Duftkerzen etc. Es scheint wirklich oft so, als wären die einzig wirklich brauchbare Erfindung der Damenwelt was Geschenke angeht teure Herrenuhren.
Ein wirklicher Nobelklunker mit seinem stolzen Preis spricht nicht nur das Gefühl und den Drang der Männer nach Exklusivität und einem teuren Image an, sonder reizt auch gleich den Spieltrieb der noch in jedem Y-Chromosom zuhause ist. Etwa so, wie sich ein Kind über ein Feuerwehrauto freut und hofft, dass es möglichst viele verschiedenen Funktionen hat, ist jeder Mann begeistert, wenn seine Herrenuhren die Zeit in zehn verschiedenen Zeitzonen anzeigt, oder sich auf ihr das Datum inklusive Hundertjährigem Kalender befindet. Wirklich brauchen wird der Träger dies genauso sicher wie das Spielzeug Feuerwehrauto jemals einen Brand löschen wird, aber haben will der Herr von Welt, oder wenn er denkt er ist es, das alles trotzdem.
Natürlich gibt es auch günstigere Herrenuhren auf dem Markt, zwar mit mehr Spielereien aber ohne Edelmetall oder kunstfertigen Arbeiten von geschickten kleinen Uhrmacher Händen aus der Schweiz. Auch wenn diese Chronometer deutlich mehr in der Preisklasse von Heinrich und seiner Frau liegen, zeigt doch die Entwicklung der schier unzähligen Produzenten und Hersteller für Luxusuhren, dass der Markt definitiv ausgewogen ist, und sich offenbar auch Mittelständler einmal im Leben eine Luxusuhr leisten.
Einem logisch denkenden Menschen wäre es vermutlich viel zu riskant, eine so teure Investition am Handgelenk herumzutragen und sie womöglich noch zu verlieren, aber schließlich sind Herrenuhren und besonders die Luxusmodelle ja auch für Herren gemacht und nicht für vernünftige und logische Personen. Solang sich also die Männerwelt nicht grundlegend ändert ist weiterhin ein großer Absatz möglich und wahrscheinlich.
